Das Team, das die Iftar-Feier am Mehringplatz organisierte.
Am Donnerstag, den 5. März kamen im Gloria Event Center in der Markgrafenstraße gut 500 Menschen zusammen, um gemeinsam das Fasten zu brechen. Das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang beendet im Ramadan die Zeit ohne Essen und Trinken und wird von gläubigen Muslimen häufig im Kreis der Familie oder in größerer Runde begangen. Die Iftar-Feier am Mehringplatz ist offen für alle, für Muslime wie für Menschen anderen Glaubens. Die Feier ist allein schon wegen ihrer Größe einmalig in den Berliner Quartiersmanagementgebieten. Auch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist sie ein wichtiger Termin im Kalender.
Ramadan jedes Jahr ein paar Tage früher
Wie in den letzten neun Jahren wurde das Fest vom Bezirksamt, dem Quartiersmanagement Mehringplatz und vielen Kooperationspartner organisiert. Wie immer waren die Tische feierlich gedeckt, die Besucher*innen trugen festliche Kleidung und auch dieses Jahr gab es wieder ein unterhaltsames kulturelles Begleitprogramm. Also alles ähnlich wie in den letzten neun Jahren, und doch wieder nicht: Weil sich der Ramadan nach dem Mondkalender richtet, findet er jedes Jahr zwischen 10 und 12 Tagen früher statt als im Vorjahr. So begann Ramadan im Jahr 2017 am 26. Mai und das erste gemeinsame Fastenbrechen am Mehringplatz konnte noch draußen im Garten des Stadtteilzentrums gefeiert werden. Seit 2022 findet die Feier indoor im Gloria Event Center statt.
Positive Werte gefragter denn je
Spürbar sind auch die politischen Veränderungen, vor allem die Kriege im Nahen Osten oder das schärfere Diskussionsklima in Deutschland. Das nachbarschaftliche Fastenbrechen am Mehringplatz setzt diesen Entwicklungen positive Werte entgegen, das betonte Quartiersmanagerin Wafaa Khattab, die zusammen mit Daniela Karsten Jonas vom Stadtteilzentrum F1 die Gäste begrüßte: „Heute Abend steht auch nicht die Religiosität im Fokus, sondern nachbarschaftlicher Zusammenhalt und Nächstenliebe.“ Diese Werte seien heutzutage gefragter denn je. Frau Khattab bedankte sich bei allen, die schon seit mehreren Wochen die Feier vorbereitet hätten und bei jenen, die an diesem Abend mit Angeboten vor Ort für Unterhaltung sorgten. Wie im letzten Jahr gab es Henna-Schminken für Kinder, eine Foto-Box für Sofortbilder, einen Kalligraphie-Stand, Siebdruck vom work Out e.V., Bastelangebote der Stadtteilmütter und einen Stand des HAU, an dem u.a. Buttons hergestellt werden konnten und die Kolleg*innen über die HAU-Quartierskarte informierten.
„Wir dürfen nie die Menschlichkeit verlieren“
Die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann, wies in ihrer Begrüßung auf die schwierige politische Lage hin, besonders auf den Krieg am Golf, der erst vor wenigen Tagen begann. Viele im Saal, so Herrmann, hätten Freunde und Verwandte in der Region. „Wir alle sind mit den Gedanken bei ihnen. Wir dürfen traurig und wütend sein, aber wir dürfen nie die Menschlichkeit verlieren.“ Clara Herrmann wandte sich abschließend an alle Frauen und Mädchen im Saal: „Ich will nochmal hervorheben, was für tolle Frauen und Mädchen wir am Mehringplatz haben. Unser Bezirk ist so stark wegen ihnen.“
Grundgedanke Sozialer Zusammenhalt
Nach Clara Herrmann bedankte sich Ralf Hirsch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen beim Quartiersmanagement-Team für dessen Arbeit in den letzten 20 Jahren. Das Fastenbrechen setze dabei den Grundgedanken des Städtebauförderungsprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ direkt um: „Halten Sie zusammen, machen Sie mit“, so Hirsch. Wenn Ende 2027 das Quartiersmanagement am Mehringplatz beendet werde, bedeute dies aber nicht das Ende des nachbarschaftlichen Fastenbrechens. Dieses werde wohl auch nach 2027 fortgesetzt.
Baklava und Vanillekipferl zum Nachtisch
Nach den Reden und einem musikalischen Beitrag sang der syrische Musiker Abdulkadir Asli das Fastengebet. Anschließend wurde gegessen: Es gab Datteln und die traditionelle Linsensuppe als Vorspeisen, Hühnchen mit Reis oder Auberginen Moussaka als Hauptspeisen und Baklava zum Nachtisch. Überraschend wurde noch ein zweites Dessert gereicht: Schüler*innen der Kurt-Schumacher-Grundschule hatten zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Schmid Vanillekipferl gebacken und verschenkten diese zur Iftar-Feier. „Die Kinder wollten sich wohltätig engagieren und kamen dann auf die Idee, Vanillekipferl zu backen. Anlässlich des Ramadans in Form einer Mondsichel“, erklärte Lehrerin Schmid.
Auf der Bühne trugen nach dem Essen Mädchen des Jugendzentrums JaM Lieder zum Ramadan vor und Schüler*innen der Kurt-Schumacher-Grundschule trommelten. Musikalischer Höhepunkt war der Auftritt des Chores des Arabischen Musikinstitutes (AMIBerlin) aus Kreuzberg.
Spannung zum Schluss
Zum Abschluss kam noch einmal Spannung auf: Viele Gäste hatten Zettel mit ihren Namen in die Tombola-Box geworfen und hofften, dass sie zu den glücklichen Gewinner*innen gehören würden. Die Chancen standen nicht schlecht, weil es viel zu gewinnen gab: die Kurt-Schumacher-Grundschule hatte Einkaufsgutscheine gespendet, es gab Familien-Eintrittskarten für den Tierpark von der HOWOGE, zwei privat gespendete Geschenkekisten, Goody-Bags von der Gewobag und Snipes-Lampen von der HOWOGE.
Eine Gewinnerin fasste die Feier treffend zusammen: „Es war ein super Abend. Danke an alle!“
Das Fastenbrechen am Mehringplatz wird vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Quartiersmanagement Mehringplatz organisiert. Zu den Kooperationspartnern gehören das Stadtteilzentrum F1, die Arbeiterwohlfahrt, das HAU, die Gewobag, die HOWOGE, Mina e.V., Outreach gGmbH, Alte Feuerwache, Vska, work out e.V., Ziad Sheno Kalligraphie und die Stadtteilmütter. Die Feier wird aus Mitteln des Programms Sozialer Zusammenhalt gefördert.
Text/Foto: M. Hühn, Webredaktion QM Mehringplatz
